Was, wenn mal was dazwischen kommt, und der Velo-Bus nicht fährt? Oder fährt er doch?

Aufgrund eines Termins fallen die Velo-Bus-Linien V-901 und V-U18 heute Nachmittag/Abend aus. Eigentlich können sie gar nicht ausfallen, da ja jeder Radler selbst auch Bus-Fahrer ist. Da solche Dinge – nicht nur bei mir, sondern auch bei künftigen Velo-Bus-Fahrern – immer mal wieder vorkommen werden, muss das Konzept wohl ein bisschen angepasst werden oder eine feine App her. Ich freu mich auf Eure Kommentare

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WAZ-Artikel: „Je mehr Radler, desto besser“

WAZ-Lokalredakteur Martin Spletter war der erste, der die Velo-Bus-Idee toll fand, als wir sie vor zwei Wochen auf Facebook zur Diskussion in den Raum gestellt hatten. Nicht verwunderlich also, dass er nach einem kurzen Interview nun den Artikel Fahrradfahren: Aktivist startet „Velo-Bus“ – Fahrgemeinschaften für Radler (derWesten.de) bzw. „Je mehr Radler, desto besser“ (WAZ Essen, Bürgerseite) veröffentlicht hat.

Dem kann man sich nur anschließen: je mehr Radler aktiv mitmachen, umso besser wird der Velo-Bus ins Rollen kommen …

So funktioniert der Velo-Bus

Hier nun ein paar Regeln, wie ein Velo-Bus funktioniert:

  • Jeder einzelne radelt freiwillig und auf eigene Gefahr.
  • Es wird nach der Straßenverkehrsordnung geradelt, d.h. u.a.,
    • ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht,
    • es wird immer auf der Straße geradelt, solange es keinen ordentlichen, benutzungspflichtigen Radweg gibt (Ausnahme: Kinder bis zum 8. Lebensjahr müssen immer auf dem Geh- oder Radweg fahren, noch bis zum 10. Lebensjahr dürfen sie dies tun),
    • bei einem Velo-Bus mit bis zu 15 Radlern wird nebeneinander geradelt, solange der Gegenverkehr und der nachfolgende Verkehr nicht behindert werden (eine Verkehrsbehinderung liegt nicht vor, wenn auch bei einem einzelnen Radler die Straßenbreite – bei Beachtung der Sicherheitsabstände zwischen ruhendem Verkehr und Radfahrer und zwischen Radfahrer und Überholendem – nicht zum Überholen ausreicht), und
    • bei einem Velo-Bus mit mehr als 16 Radlern bilden diese einen geschlossenen Verband, d.h. es wird dann immer zu zweit nebeneinander auf der Straße geradelt (Radwege dürfen in diesem Fall nicht benutzt werden und, wenn die ersten Radler eine Ampel bei grün überfahren, die Ampel zwischenzeitlich auf rot umschaltet, fahren die restlichen auch bei rot weiter, so dass der Verband geschlossen bleibt).
  • Es wird nach Möglichkeit kein Radler zurückgelassen. D.h. bei einem Zwischenfall halten alle Radler an und leisten entsprechende Unterstützung.
  • Jeder kann eine neue Velo-Bus-Linie anbieten, indem er die entsprechenden Daten per E-Mail an info@velocityruhr.net sendet.
  • Die Betreiberin dieser Website veröffentlicht lediglich die ihr übersandten Linienpläne. Sie übernimmt keinerlei Garantie oder Haftung.

Velo-Bus wird mit drei Linien offiziell eröffnet

Die Aktion „Stadtradeln“ läuft mancherorts noch bis Ende September, während man für „Mit dem Rad zur Arbeit“ am vergangenen Samstag das letzte Mal Kilometer erradeln konnte. Und nun? Sollen die Radler wieder Auto oder Bus fahren? Wohl kaum!

Mit Velo-Bus gibt es nämlich ab heute, 06:30 Uhr, eine neue Radler-Plattform außerhalb der Aktionszeiträume – für alle, die regelmäßig auf der gleichen Strecke radeln. Dabei spielt es keine Rolle, wann oder wohin man fährt, solange es eben eine Regelmäßigkeit dabei gibt. Velo-Bus ist eine Kombination aus Fahrgemeinschaft und ÖPNV auf dem Fahrrad. Radler fahren demnach auf festen Linien nach festen Zeitplänen gemeinsam Rad und bilden somit einen Velo-Bus.

Die ersten drei Linien stehen bereits fest:

  • montags bis freitags gibt es jeden Morgen den Velo-Bus V-U43 von Dortmund-Brackel zum Dortmunder Hauptbahnhof,
  • dienstags, mittwochs und freitags gibt es jeweils morgens den V-U18 vom Essener zum Mülheimer Hauptbahnhof, auf der gleichen Strecke geht es entsprechend spätnachmittags wieder von Mülheim nach Essen,
  • ebenfalls dienstags, mittwochs und freitags führt der V-901 von Mülheim-Hauptbahnhof nach Duisburg-Hauptbahnhof, auch hier gibt es jeweils nachmittags wieder einen Velo-Bus in umgekehrter Richtung.

Wer nun zeitgleich auf diesen Strecken unterwegs ist, kann sich einfach zu den angegebenen Abfahrtszeiten an den entsprechenden Haltestellen (oder auch dazwischen) dem Velo-Bus anschließen und mitradeln.

Wer Velo-Bus toll findet, selbst aber auf einer anderen Strecke oder auf einer bestehenden Linie zu einer anderen Uhrzeit – wohlgemerkt: regelmäßig – unterwegs ist, kann sich gerne mit den entsprechenden Details per E-Mail an info@velocityruhr.net wenden und somit eine neue Verbindung eröffnen, die dann ebenfalls hier veröffentlicht wird.

Sinn und Zweck von Velo-Bus

Die Idee ist nicht neu – sowohl in organisierter, als auch nicht organisierter Form. Von daher war ich zunächst verwundert, als Norbert fragte: „und was hat man davon, außer dass es länger dauert und komplizierter ist?“ Erfreut war ich kurze Zeit später, als Mark auf den Velo-Bus-Start entgegnet: „Hervorragende Idee. Für die kleinen unter den Schülern und die älteren unter den Kindertagesstättenbesuchern empfiehlt das der VCD schon länger. Sie werden dadurch zumindest mit mehr Beachtung beschenkt. Warum also sollte das bei den Radlern nicht funktionieren?“

Mark hat den Laufbus des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) und weitere Aktivitäten, die in der Rubrik Kinder und Mobilität zu finden sind, im Sinn. Auch mir war zunächst der Walking Bus (Laufender Schulbus oder Pédibus) bekannt. Da ich mich aber nicht bei Walk21 oder FUSS engagiere, sondern bei VeloCityRuhr und dem ADFC, habe ich zunächst nicht weiter darüber nachgedacht. Als ich dann von Projekten wie BikeBus erfuhr, dachte ich zunächst auch wieder an Schüler, und so wurde ich am Rande Mitglied in der Arbeitsgruppe „Konzept Kinder- und Jugendmobilität“ der Stadt Dortmund. Hierbei geht knapp ausgedrückt um die Umsetzung dessen, was der VCD vorschlägt.

Da ich aber nun kaum Schüler, Lehrer oder Eltern kenne, kam diese Idee in meinem Alltag nicht auf. Erst als ich dann selbst eine Radfahrgemeinschaft gebildet habe, war das Thema wieder auf meiner persönlichen Agenda. Das gemeinsame Radeln während der Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ (MdRzA) (und auch schon davor) führte dann schließlich zum Velo-Bus. Der Start des Velo-Busses schließt nun direkt an das Ende von MdRzA an.

Zurück zur Frage von Norbert. Zunächst zu seinen Zweifeln, die m.E. nur bedingt zutreffen. Man stelle sich drei Orte in einer Stadt vor: (A) Alter Markt, (B) Bahnhofsvorplatz und (C) Chaussee. Wenn ich von A nach C möchte, es aber gar keinen Velo-Bus auf dieser Strecke gibt, sondern nur einen von A nach B und einen von B nach C, dann wäre es womöglich komplizierter. Jedoch entscheiden tagtäglich Verkehrsteilnehmer aufs Neue, ob sie A-C (also direkt) oder A-B-C (z.B. über eine zwar längere, jedoch kreuzungsfreie Umgehungsstraße) fahren (so ist es übrigens nur logisch, das neue oder breitere Autobahnen nicht den Verkehr entlasten, sondern neuen anziehen). In der Aufbauphase von Velo-Bus, wenn es also noch kein flächendeckendes Liniennetz geben wird, muss man ohnehin sehr kompromissbereit sein, wenn man nur mitradeln will. Wenn man jedoch selbst Velo-Bus-Fahrer wird, ändert sich gar nicht viel. Man kann die Linie und das Tempo ja selbst definieren; wenn man mehr oder weniger Mitradler wünscht, muss man entsprechende Änderungen vornehmen.

Schließlich will ich die Frage dann auch beantworten: Was hat man von Velo-Bus?
In erster Linie ist der Velo-Bus ein Angebot für all diejenigen, die regelmäßig mit dem Rad unterwegs sind und mit anderen Radlern in Kontakt kommen wollen. Mit Velo-Bus …

  • verlagert man Verkehr von Auto, Bus und Bahn aufs Rad,
  • verbringt man mehr Zeit an der frischen Luft,
  • bewegt man sich mehr,
  • entschleunigt man (sofern man nicht die Express-Linie radelt – dazu später mehr),
  • entdeckt man neue Wege und Orte,
  • entkommt man der Anonymität,
  • trifft man neue Leute und alte Bekannte,
  • hat man Spaß und,
  • wenn wir das erste Etappenziel, nämlich mindestens 16 Radler zeitgleich auf einer Linie, erreicht haben, dann kann man mit Velo-Bus im Verband und damit zügiger fahren (auch dazu später mehr).

Wer weiß, vielleicht bin ich ja zu naiv. Vielleicht wollen meine Mitmenschen ja alleine sein. Vielleicht wollen sie ja mit dem Auto zur Arbeit fahren, um Geld zu verdienen, damit sie sich das Auto leisten können. Vielleicht gibt es ja auch Radler, die froh darüber sind, dass sie an Kreuzungen ständig Zwangspausen einlegen müssen, um den motorisierten Verkehr fließen zu lassen. Und natürlich gibt es auch solche, für die der Velo-Bus in der Tat nichts ist. Das werden aber die wenigsten sein, schließlich lässt sich der Velo-Bus bei Bedarf bequem mit Auto, Bussen und Bahnen – also intermodal – kombinieren. Letztlich wird niemand gezwungen, den Velo-Bus zu nutzen.

Über Velo-Bus

Auto-Pender klagen über Staus, ÖPNV-Pendler jammern über überfüllte Busse und Züge. Velo-Bus will einen Beitrag leisten, die Situation auf den Straßen und Schienen zu entspannen. Und zwar mit sogenannten Fahrradbussen. Mit Fahrradbus ist hier allerdings nicht ein konventioneller Bus gemeint, der Fahrräder transportiert, sondern ein Bus, der entsteht, indem mehrere Radfahrer gemeinsam im Verband nach einem festen Zeitplan entlang einer festen Route fahren.

Folgendes erstes Beispiel beschreibt gleichzeitig auch die Entstehung von Velo-Bus: Albert pendelt zwischen Dortmund-Brackel und Duisburg-Neudorf. Vor ein paar Jahren hat er seine täglichen Arbeitswege mit dem ÖPNV (d.h. mit der Stadtbahn und dem Regionalexpress oder der S-Bahn) zurückgelegt, ab und zu, wenn’s mal schneller gehen sollte, fuhr er auch mit dem Auto. Da ihm das zu teuer wurde und er bei Staus, die auf der A3 und der A40 nicht selten sind, auch keinen Zeitvorteil mehr hatte, hat er auf das Auto verzichtet und angefangen, sein Rad mitzunehmen, um die Fußwege durch schnellere Radfahrten zu ersetzen. So machte er auf den Straßen Platz für Pendler, die auf ihr Auto nicht verzichten können. Als er sich dadurch immer mehr bewegte, konnte er problemlos auch mittlere Strecken mit dem Rad zurücklegen und stieg gar nicht mehr in die Stadtbahn. Wieder machte er Platz für Pendler, die auf die Stadtbahn angewiesen sind. Als er vor einem Jahr hörte, dass ein Arbeitskollege von Essen aus mit dem Rad nach Duisburg fuhr, stieg er einfach in Essen aus und radelte mit ihm zusammen nach Duisburg. So machte er in der Bahn Platz für Pendler, die eben (noch) nicht 20 km mit dem Rad unterwegs sein wollen oder können. Da Albert während der Radfahrt gerne mit seinem Arbeitskollegen, aber auch anderen Radfahrern spricht, hat er sich überlegt, aus seinen täglichen Touren auf dem Rad Fahrradbuslinien zu machen.
Anstatt in Dortmund mit der U43 mitzufahren, ist er nun selbst Fahrer der V-U43. Und von Essen nach Mülheim bietet er die V-U18 an, anstatt sich in die U18 oder eine andere Bahn zu setzen. Von Mülheim nach Duisburg geht es dann nicht mit der 901 weiter, sondern mit der V-901. Die ortskundigen ÖPNV-Nutzer, oder Öffler, wie man in Dortmund zu sagen pflegt, kennen diese Stadtbahnlinien. Die VeloBus-Strecken orientieren sich mehr oder minder genau an den ÖPNV-Linien (http://www.vrr.de/de/fahrten/busundbahn/staedte/index.html). Da die Bezeichnungen aus dem ÖPNV allgemein verbreitet sind, kann man sich schnell einen groben Überblick verschaffen, wenn jemand z.B. von der V-U18 erzählt, weiß man direkt, dass es sich um eine Velo-Bus-Linie zwischen Essen und Mülheim an der Ruhr handelt.
Jeder der zeitgleich auch auf diesen Strecken unterwegs ist, kann sich nun Albert anschließen und braucht nicht mehr alleine radeln.
Da aber die wenigsten die gleichen Arbeitswege haben wie Albert, hat er sich gedacht, dass es auch weitere Fahrradbusfahrer auf anderen Linien geben sollte. So war die Idee von VeloBus geboren.